3 aufschlussreiche Gründe gegen Ratgeber

Hallo liebe Mami, hallo liebe Bald-Mami und hallo an alle anderen.
Herzlich Willkommen!

Wie in meinem Artikel 6 erstaunliche Dinge, die dir niemand vor der Geburt verrät bereits angekündigt, hier mein Beitrag zum Thema: Ratgeber – ja, bitte oder nein, danke?

Meine Ratgeber-Schwangerschaft

Ich erinnere mich noch genau daran:
Während meiner ersten Schwangerschaft war mir klar: Ich werde auf gar keinen Fall Ratgeber lesen. Und ziemlich viele Wochen hielt ich das auch eisern durch.

Ich wollte mich nicht verwirren lassen. Wollte auf meine Intuition vertrauen, mich unbefangen auf das Leben als Mutter einlassen.

Im Verlauf der Schwangerschaft wurde ich aber unsicher: Kann ich das überhaupt? Mutter sein?

Und so kam es, wie es nicht sollte: da hatten sich doch Ratgeber ins Haus geschlichen.
Und natürlich habe ich sie gelesen. – Wäre ja sonst verschwendetes Geld.

Ein Ratgeber zum natürlichen Stillen, einer zum artgerechten Umgang mit Babys und einer zu Herausforderungen, die im Baby-, Kleinkind- und Teenager-Alter vorkommen können.

Also: Ein bunter Mix von allem. – Denn natürlich fanden sich in jedem Ratgeber als Unterthemen auch die Themen der jeweils anderen Ratgeber.

Viele Köche verderben den Ratgeber-Brei

Und da saß ich dann: Meine ganz eigenen Vorstellungen vom Muttersein mischten sich mit denen der Gesellschaft und mit denen der drei Ratgeber. – Darüber hinaus folgte ich selbstverständlich auch den „Super-Muttis“ auf Instagram. – Schließlich wollte ich ja selber eine Super-Mutti werden.

Die Super-Mutti

Ich verrate euch was: Ich bin keine Super-Mutti. Jedenfalls nicht, wenn man sie wie folgt definiert:

  • Das Kind steht immer an erster Stelle.
  • Sie ist immer geduldig.
  • Sie ist immer top-informiert über den aktuellen Forschungsstand der bedürfnisorientierten Mutterschaft…
  • …und setzt diese immer vorbildlich um.
  • Sie tut alles, um der Bedürfnisorientierung gegenüber ihrem Kind gerecht zu werden…
  • …und reagiert immer, überall und unter allen Umständen einfühlsam, verständnisvoll, begleitend usw.
  • Sie hat ausschließlich gestillt und stillt noch, weil Langzeitstillen gerade der Shit in der bedürfnisorientierten Community ist.
  • Sie kocht ausschließlich Bio und selbst…
  • …und füttert selbstverständlich keinen Brei, sondern folgt dem Baby-Led-Weaning.
  • Sie achtet darauf, dass ausschließlich Holzspielzeug im Haus landet…
  • …und nachhaltig-fair produzierte Babykleidung.
  • Ihr Kind wurde im Idealfall zu Hause im Wohnzimmer geboren – alternativ im Geburtshaus. – Im Krankenhaus ohne jegliche Schmerzmittel wäre gerade noch so akzeptabel.

Du findest die Liste übertrieben? Zu aufgesetzt? Zu an-den-Haaren-herbeigezogen?

Ich wollte diese Mutter sein. Mit Haut und Haar. Mit jeder einzelnen Faser meines Körpers.
Weil ich davon überzeugt war, dass nur das der einzig richtige Weg sein kann, ein Kind gesund groß zu ziehen. (Mehr zu Dogmatismus und Mutterschaft in einem meiner nächsten Artikel.)

Warum Ratgeber mehr verschlimmbessern als helfen

Bis zum Einzug der Ratgeber war ich relativ zuversichtlich, dass ich das schon schaffe – Baby versorgen und so.

Instagram war die erste Verunsicherungsquelle. (Note: Ich folge heute keiner der Mamis mehr, denen ich damals folgte.)
Und weil ich verunsichert war, wünschte ich mir mehr Orientierung, als ich sie aus meinem Umfeld bekam. Und diese Orientierung sollten mir die Bücher geben.

Wie du weiter oben gesehen hast: Ich habe mich tatsächlich orientiert. Mein Mutter-Bild war glasklar. Ich war voller Enthusiasmus und Zuversicht, alles umsetzen zu können. Weil es so schlüssig war. Weil es so leicht klang. So einfach machbar. Unter allen Umständen.

Und doch sage ich dir jetzt: Kauf keine Ratgeber. – Jedenfalls keine für Mamas oder Bald-Mamis.
Und ich nenne dir auch 3 Gründe, die aus meiner Sicht dagegen sprechen, sich mit Ratgeber-Literatur während oder kurz nach der Schwangerschaft einzudecken.

Grund Nummer 1: Ein einziges Wirr-Warr

Vielleicht liest du ein, zwei, drei, vier… Ratgeber. Vielleicht legen diese Ratgeber ihren Hauptfokus auf jeweils unterschiedliche Themen – aber in gewissen Punkten werden sie sich zwangsläufig überschneiden. – Im besten Fall hast du zwei Ratgeber und drei Meinungen. Der eine zeigt nach links, der andere nach schräg links oben und wieder ein anderer auf „12 Uhr“.

Irgendwie klingen alle für dich plausibel. Die Argumente für die Positionen sind schlüssig und nachvollziehbar aufgebaut. Und du entscheidest: Das mache ich.

Aber ich frage dich: Was jetzt genau? Position 1, 2, 3 – oder 4?
Und wenn du dich tatsächlich aus voller Überzeugung für eine der Positionen entscheidest: kannst du die anderen einfach so ausblenden? Oder spielen sie – bewusst oder unbewusst – doch immer wieder in deine Gedanken hinein?

Vielleicht verunsichert dich das jetzt noch nicht, aber wie sieht es dann in der akuten Situation aus?

Falls du sagst: Ach, Quatsch. Ich kann das. Mir tut es gut, Ratgeber zu lesen, andere Perspektiven kennen zu lernen bzw. meine Perspektive zu stärken, dann hier mein Tipp für dich:

Entscheide dich für genau einen Ratgeber. Lass die anderen links liegen. Fokussiere dich.

Grund Nummer 2: Falsche Erwartungen

Das, was wir lesen, wird ein Teil von uns.
Egal, auf welche Art: Ob wir uns dafür oder dagegen positionieren. Wir setzen uns damit auseinander. Mal oberflächlich, mal tiefergehend.

Und genau das passiert auch, wenn du Ratgeber liest.
Gerade in der Schwangerschaft oder als (Neu-)Mama, setzt du dich mit deiner (künftigen) Rolle auseinander.
Du weißt noch nicht so genau, was auf dich zukommen wird – übrigens auch als Mehrfach-Mama nicht – willst aber mehr als dein Bestes geben.

Und das ist auch gut so!

Was suggerieren Ratgeber aber oft?
Dass ihr Weg der einzig richtige ist.
Dass ihre Methode allein zum Ziel führt.
Dass nur ihre Methode revolutionär ist und dem aktuellsten Forschungsstand entspricht.
Und dass alles andere veraltet, sogar schädlich ist.

Natürlich wirst du das nicht (immer) Schwarz auf Weiß lesen. – Aber es schwingt mit. Zwischen den Zeilen.

Und dieser Anspruch erzeugt Druck. Noch mehr Druck, als er sowieso schon auf Müttern lastet.
Dieser Anspruch macht, dass du noch größere Erwartungen hast, dass du eine noch superere Mama werden willst. Ja, genau, superer!
Das geht schon rein grammatikalisch nicht.

Mein Tipp für dich:
Setz dich ganz unbefangen mit dir selbst auseinander. Sei ehrlich zu dir. Beschönige nichts. Und versuch das in Einklang mit deiner Vorstellung vom Muttersein zu bringen.

Das allein ist schon schwierig genug, denn deine Vorstellungen sind nicht nur deine Vorstellungen, sondern eine Ansammlung, die aus dir selbst, deinem Umfeld und der Gesellschaft entstanden ist.
Und allein diese drei auseinanderzubasteln ist Aufgabe genug. – Da muss nicht noch ein Ratgeber dazwischenquatschen.

Grund Nummer 3: Unglaublich! Du bist kein Standard-Typ

Ich verrate dir jetzt was, ganz im Geheimen:
Du bist einzigartig. Ein Unikat.
Dein Fingerabdruck verrät es. – Und genauso alles andere an dir.

Und jetzt sollst du plötzlich auf ein Ratgeber-Schema passen. Eines, dass der Autor zur Grundlage all seiner Ausführungen nimmt. Einen Menschen, der so konzipiert ist, dass er auf seine Theorie passt. Und der alles im Buch aussehen lässt, als wäre es so easy umzusetzen und so selbstverständlich.

Bist du dieser Mensch? Passt du ins Schema des Autors?
Dann: herzlichen Glückwunsch. Der Ratgeber wurde für dich geschrieben. Es wird dir ein Leichtes sein, ihn zu befolgen.

Oder bist du das nicht? Dann musst du auswählen: Was passt zu dir? Was macht Sinn? Was kannst du umsetzen? Was entspricht dir überhaupt nicht?
Aber das hast du ja alles schon getan (Tipp in Grund 2).

Die Super-Mutti Version 2.0

Ratgeber-Literatur, Umfeld, Gesellschaft, ich selbst – alle diese Komponenten haben mir den Einstieg ins Mamaleben nicht gerade leicht gemacht.
Ich habe einen enormen Druck gefühlt. Ich wollte unbedingt meiner Vorstellung einer guten Mutter entsprechen.
Ob diese Vorstellung mit mir selbst zusammenpasst, habe ich nicht hinterfragt. Ich war so beeinflusst von so vielen Dingen, dass ich mich selbst nicht mehr gesehen habe.

Nach einer Zeit habe ich dann das getan, was ich schon viel früher hätte tun sollen: Ich habe mein Super-Mutti-Bild hinterfragt und auf mein Herz gehört.

Meine Frage war nicht mehr: Was ist eine Super-Mutti? Sondern: Was macht mich und meine Familie glücklich?
Klingt vielleicht ganz leicht, war aber sehr schmerzvoll. Und viele Tränen hätte ich mir sparen können, wäre ich schlauer gewesen.

Aber weißt du was: Wenn du noch keine Mama bist, dann bist du auch einfach nicht schlauer.
Und gerade als Mama braucht es manchmal bestimmte Reflexions-Prozesse, um zu wachsen – an sich selbst und als Mama.

Mein Super-Mutti-Bild heute

Was kann unter diesen Voraussetzungen eine Super-Mutti ausmachen?
Meines Erachtens, dass sie annimmt, dass sie eigene Bedürfnisse hat und diese nicht dauerhaft einem oder mehreren anderen Menschen unterordnet. Und dass sie sich selbst reflektiert, dass sie sich eingesteht, Fehler zu machen, aber in der Lage ist diese einzugestehen und sich weiter zu entwickeln. Und dass sie ihre Kinder und Familie bedingungslos liebt.

Wann Ratgeber hilfreich sein können

Alle 3 Gründe, die ich dir gegen Ratgeber genannt habe, beziehen sich ausschließlich auf Bücher.
Und alle 3 Gründe gegen Ratgeber nenne ich dir ausschließlich für Mami-Ratgeber und ein gehäuftes Lesen ebensolcher.

Es existieren aber nicht nur Buch-Ratgeber. Natürlich gibt es auch Ratgeber aus Fleisch und Blut – deine Hebamme zum Beispiel. (Wann du deine Beine schleunigst in die Hände nehmen und vor deiner Hebamme wegrennen solltest – dazu mehr in einem meiner weiteren Posts.)

Darfst du dich zu den Glücklichen zählen, die eine wirklich gute Hebamme gefunden haben, dann hast du die Expertin schlechthin an deiner Seite.
Sie kannst du alles fragen. Von ihr bekommst du hilfreiche Tipps. Sie wird dir fast immer weiterhelfen können. Und wenn sie es nicht kann, dann weiß sie, wer es kann.

Auch andere Mamis können wunderbare Ratgeber-Quellen sein. – Aus deinem Umfeld, auf Instagram oder in anderen sozialen Netzwerken.

Egal, welche Ratgeber du letztlich auswählst: Buch, Mensch, Experte oder erfahrungsbasiert:
Folge einer Richtung.
Und zwar am besten der, die dein Herz klingen lässt.

Welche Erfahrungen hast du mit Ratgeber-Literatur, speziell solcher für (angehende) Mamas, gemacht? Haben sie dich vorangebracht oder eher verunsichert?
Lass es mich gerne wissen. Ich bin gespannt, wie du das siehst.

Hab es fein!

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Eine Antwort

  1. 10. Juni 2020

    […] auf gar keinen Fall.Kennst du das auch?Hattest du vielleicht auch eine abgehobene Idee von einer Super-Mutti?Hast du Ratgeber gelesen und dir ein Bild gebastelt, wie du unbedingt sein […]

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